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Frequently Asked Questions

Häufig gestellte Fragen

Uns erreichen viele Zuschriften mit Fragen rund um die Rohkost sowie unsere eigene Lebensweise und unsere Erfahrungen. Einige von ihnen wiederholen sich des öfteren. Diese und andere Fragen, denen man im Rohkost-Umfeld immer wieder begegnet, werden hier beantwortet.

Der Übersicht halber stehen den Fragen Stichworte voran, nach denen die Fragen alphabetisch geordnet sind.



Energie: Warum erlebt man einige Zeit nach der Umstellung auf Rohkost manchmal einen starken Abfall der physischen Energie?

Hanföl: Wo bekommt man gutes, kaltgepresstes Hanföl?

Hungergefühl: Was kann man gegen das ständige Hungergefühl tun, das man häufig nach der Umstellung auch Rohkost hat?

Keimlinge: Wie versorgt ihr euch auf Reisen mit Keimlingen?

Keimlinge: Ist es normal, dass man vom Verzehr von Keimlingen Blähungen bekommt?

Menstruation: Verändert sich die Menstruation bei Frauen, wenn sie auf Rohkost umsteigen?

Menstruation: Sind Frauen ohne Menstruation überhaupt fruchtbar?

Nahrungsergänzungsmittel: Was haltet Ihr von NEMs?

Nüsse: Esst ihr Nüsse und wenn ja, wie viel und in welcher Form?

Überessen: Was kann man gegen das ständige Bedürfnis, sich mit Rohkost zu überessen, tun?



Energie: Warum erlebt man einige Zeit nach der Umstellung auf Rohkost manchmal einen starken Abfall der physischen Energie?

Jeder Körper reagiert auf eine solch gravierende Ernährungsumstellung auf seine individuelle Weise. Meist steigt die Energie zunächst stark an, weil der Körper nicht mehr so belastet ist. Wenn er dann begriffen hat, dass er jetzt Zeit zum Reinigen hat, holt er meist aus zum "Großputz". Wie stark und wie lange der anhält, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. In der Zeit einer solchen Reinigungsphase sinkt die Energie meist rapide, manche Menschen werden ziemlich schwach dabei oder sogar "krank". Am besten ist es, wenn man sich dann krank schreiben lassen und ins Bett legen kann. Hier ist durchhalten und kommen lassen, was da kommen will, die gesündeste Alternative, auch wenn man nicht das Bett hüten kann oder will.

Wenn das aufgrund der Lebensumstände nicht geht, sollte man zusehen, in eine solche Phase gar nicht erst hineinzugeraten oder sie SOFORT bei den ersten Anzeichen zu dämpfen. Oft reicht es aus, wenn man besonders viel fetthaltige und schwer verdauliche Rohkost isst. Hier ist ausnahmsweise hemmungsloses Überfressen angesagt. Manche brechen intensive Reinigungsphasen mit gedünsteten Kartoffeln und Gemüse ab. Eine abgemilderte Reinigungsphase ist im Alltag auszuhalten, dauert aber im Endeffekt länger.

Die Energieeinbrüche sollten immer auch wirklich nur Einbrüche sein. Anfangs kann man noch 3-4 Wochen tolerieren. Wenn man jedoch auf Dauer zunehmend kraftlos wird, stimmt etwas nicht. Fehler in der Ernährung (bei Anfängern meist zu schweres Essen, insbes. zu viele Nüsse oder das Essen von ausschließlich Obst) oder Mangelzustände, die man sich ja größtenteils aus der Kochkostzeit schon mitbringt, können die Ursache sein. Da gibt es viele Möglichkeiten, die man nur herausfinden kann, wenn man die Vorgeschichte kennt. Auch die tollste Ernährung kann je nach Vorschädigung manchmal nichts nützen, wenn man nicht etwas "unnatürliche" Mittel (z.B. Colon-Hydro-Therapie, Aufbau der Darmflora durch Zufuhr von Darmbakterien, vorübergehende Einnahme von natürlichen Vitaminpräparaten u.ä.) anwendet, um die Sache erstmal gerade zu rücken. Eine Quecksilbervergiftung, hervorgerufen durch frühere oder bestehende Amalgamfüllungen kann möglicherweise ebenfalls der Grund für sinkende Energie sein.

Hanföl: Wo bekommt man gutes, kaltgepresstes Hanföl?

Das Hanföl von Rapunzel ist recht gut und in den meisten Naturkostläden zu haben. Das unserer Meinung nach allerbeste haben wir bisher über den Versand Hanf & Natur im Internet bestellt.

Hungergefühl: Was kann man gegen das ständige Hungergefühl tun, das man häufig nach der Umstellung auch Rohkost hat?

Oft werden zunächst (fast) ausschließlich Früchte und Gemüsefrüchte verzehrt. Diese alleine machen nicht satt. Isst man zu oder nach Früchten jedoch Wildkräuter, wird man wesentlich besser und langanhaltender satt. Salate und Blätter aus dem Laden wirken auch ein wenig sättigender, reichen an Wildkräuter aber nicht heran. Eine insgesamt ausgewogenere Ernährung bestehend aus Keimlingen, Früchten, Wildkräutern, Salaten, Gemüsen, Nüssen (nicht zu viele, das belastet sonst) und Samen dürfte eigentlich kein ständiges Hungergefühl zurücklassen. Seit wir uns so ernähren sind wir unseres (mit dem wir uns jahrelang rumgeplagt haben) jedenfalls losgeworden.

Keimlinge: Wie versorgt ihr euch auf Reisen mit Keimlingen?

In der Regel verreisen wir mit dem Auto. Dabei führen wir eine große, grüne Gemüse-Klappkiste (gibt's gegen Erstattung des Pfands beim Bioladen) mit, in der sich wunderbar Keimgefäße mit werdenden Keimlingen transportieren lassen. Bei Bedarf lassen sich sicher mehrere übereinander stapeln. Bisher haben wir noch überall Gelegenheiten zum Abstellen der Kiste und zum Spülen der Keimlinge gefunden. Wenn wir nicht länger als ein paar Tage unterwegs sind, keimen wir im voraus und nehmen die fertigen Keimlinge in Tuppergefäßen mit. Das ist die einfachste Variante. Wenn man darauf achtet, den kühlsten erreichbaren Ort für sie zu finden, halten sie sich auch ohne Kühlschrank recht gut. Tipp: nicht zu feucht abfüllen, im Zweifelsfall vor dem Abfüllen für einige Stunden auf einer flachen Unterlage ausbreiten und antrocknen lassen. Dann gammeln sie weniger schnell.

Wenn wir länger ohne Auto verreisen, nehmen wir soviel Keimsaat trocken mit, wie wir meinen zu benötigen. Meistens fahren wir zu Privatpersonen, bei denen wir auch ein paar Schüsseln leihen. In Ferienwohnungen zur Selbstversorgung gibt es die meist auch. Wenn alle Stricke reißen, nehmen wir einen Satz Plastikschüsseln mit, von denen eine genau in die andere passt, so dass sie im Gepäck nicht so dick auftragen. In Schüsseln zu keimen ist jetzt nicht sooo toll, als Notlösung geht es aber.

Reisen, bei denen man ohne Auto längere Zeit von einem Ort zum anderen fährt, das Aufstellen von Schüsseln oder Mitführen einer großen Kiste also nicht möglich ist, machen wir schon seit langem nicht. Da wir solche Reisen mit kurzen Aufenthalten ohnehin noch nie so überragend fanden, haben vorher auch keine gemacht. Es ist für uns also kein Verzicht.

Geschäftlich waren wir bisher meist nur unter der Woche unterwegs. In solchen Fällen kann man schnell keimende Keimlinge am Wochenende vorkeimen und fertig mitnehmen oder man bittet jemanden, der zu Hause bleibt, um das Vorkeimen.

Und schließlich - wenn es mit den Keimlingen mal nicht geht, na dann geht es halt nicht. Die ersten paar Tage essen wir die vorgekeimten und dann halt was anderes. Wenn man sich geistig nicht abhängig davon macht, ist es überhaupt kein Problem, mal 2 Wochen ohne Keimlinge auszukommen. Wir freuen uns dann zwar sehr darauf, zu Hause wieder welche zu kriegen, aber wenn nicht, fallen wir nicht vom Fleisch.

Keimlinge: Ist es normal, dass man vom Verzehr von Keimlingen Blähungen bekommt?

Wenn man anfängt, rohe Keimlinge zu essen, blähen sie eigentlich fast jeden. Die Vermutungen über die Ursachen sind unterschiedlich. Die einen sagen, das läge an der geschwächten Verdauungskraft, die erst wieder aufgebaut werden muss, die anderen sagen, es liegt an Reinigungserscheinungen im Darm. Wir maßen uns über die Ursachen kein Urteil an. Fakt ist lediglich, dass, wenn man zunächst keine übergroßen Mengen davon isst und kontinuierlich am Ball bleibt, man nach einiger Zeit (manchmal Wochen, manchmal Monate) nicht mehr gebläht wird. Ähnliche Effekte sind bei uns übrigens auch bei anderen Nahrungsmitteln, z.B. Kokosnuss aufgetreten.

Erbsen und Kichererbsen sind am bläh-intensivsten. Linsen sind (von den Hülsenfrüchten) am unkompliziertesten. Mungbohnen so dazwischen. Also am besten mit Linsen anfangen. Sonnenblumenkerne sind meist relativ blähneutral, ebenso Alfalfa und Bockshornklee.

Aber so pauschal ist das nicht immer zu sagen. Am besten probiert man es selber aus, reduziert die Mengen derjenigen Keimlinge, die Gasbildung verursachen und hält durch, sofern man ansonsten das Gefühl hat, dass sie einem gut tun.

Menstruation: Verändert sich die Menstruation bei Frauen, wenn sie auf Rohkost umsteigen?

Ja. Menstruationsbeschwerden verringern sich oder verschwinden vollkommen. Wie stark die Verbesserung ausfällt und ob sie anhält, ist bei jeder Frau unterschiedlich. Neben physischen Ursachen dürften hierbei auch unbewusste psychische Gründe (z.B. Angst um den Verlust der Weiblichkeit, feste Überzeugung, die Menstruation sei nunmal eine schlimme Zeit o.ä.) eine Rolle spielen. So gut wie immer wird das Menstruationsblut heller und riecht weniger streng.

Ob die Regel über kurz oder lang bei jeder Rohköstlerin ausbleibt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Uns sind bisher alle nur erdenklichen Varianten zu Ohren gekommen. Bei Steffi verschwand die Menstruation sehr schnell und kehrte nach 3 Jahren zurück. Sie blieb für ca. ein Jahr, verschwand dann wieder für 1,5 Jahre, kam dann für ein Jährchen wieder... So ging es die ganze Rohkostzeit hindurch. Andere langjährige Rohköstlerinnen berichten ebenfalls von solchen sich abwechselnden Phasen. Deshalb sind wir vorsichtig, wenn Frauen erzählen, ihre Regel sei ganz verschwunden. Einige sind erst ein oder zwei Jahre dabei. Bei ihnen könnte die Regel evtl. wieder auftauchen. Andere Rohköstlerinnen dagegen haben keinerlei Unterbrechungen ihrer Menstruation erlebt und das über viele Jahre hinweg. An der Diskussion, ob das Ausbleiben der Regeln gut und natürlich oder schlecht und ein Zeichen für einen geschwächten Körper ist, möchten wir uns nicht beteiligen. Unserer Meinung nach können alle Aussagen darüber nur Spekulationen sein.

Menstruation: Sind Frauen ohne Menstruation überhaupt fruchtbar?

Wir wissen es nicht. Wenn jemand, der es mit absoluter Sicherheit aus eigener Erfahrung weiß, sein Wissen mit uns teilen würde, wären wir sehr dankbar dafür.

Unsere Erfahrungen sind, dass Steffi in den menstruationlosen Phasen den Zeitpunkt ihres Eisprungs feststellen konnte. Ob sie hätte schwanger werden können, haben wir nicht ausprobiert. Ihre erste Schwangerschaft entstand in einer Phase, in der sie ihre Regel wieder hatte.

Nahrungsergänzungsmittel: Was haltet Ihr von NEMs?

NEMs aus natürlichen Quellen ohne chemische Zusätze und ohne dass deren Inhaltsstoffe zu Tode erhitzt worden sind, halten wir für sinnvoll, wenn man Bedarf daran hat. Unserer Meinung nach gibt es mehr mangelernährte Menschen als man so denkt. Auch Rohköstler. Dabei ist nicht unbedingt die Rohkost die Ursache dafür sondern eher der individuelle Gesundheitsstatus (z.B. in welchem Zustand ist der Darm, sind Organe durch die frühere Lebensweise geschädigt worden), bestehende Vergiftungen (durch bestehende oder frühere Amalgamfüllungen, Medikamenteneinnahmen etc.), die jeweiligen Lebensumstände, psychische Faktoren und vor allem Mängel, die sich bereits in der Zeit der "normalen" Ernährung gebildet haben.

Viele dieser Faktoren können unserer Erfahrung nach auch durch die allerbeste rohköstliche Ernährung jeglicher Richtung nicht komplett ausgeglichen werden. Wer bereits seit vielen Jahren einen Nährstoffmangel hat, muss ja wesentlich mehr von diesem Nährstoff aufnehmen, als zur täglichen Versorgung benötigt wird. Kann man wirklich soviel essen ohne den Verdauungsapparat zu überlasten und damit das Gegenteil zu erreichen? Kann ein komplett geschädigter Darm allein durch die Ernährungsumstellung wieder voll funktionstüchtig werden und die Nährstoffe auch wirklich aufnehmen? Wir denken, dass dies nicht funktioniert. Deshalb halten wir es für sinnvoll, sich die erforderlichen Stoffe in konzentrierter, aufnehmbarer Form zuzuführen. Klar, die Wissenschaft kennt bisher nur einen Bruchteil der notwendigen Nährstoffe. Die unbekannten sind für uns aber kein Grund, die bekannten zu ignorieren.

Gute NEMs zu finden, die rohkostgeeignet sind und wirklich intakte Nährstoffe enthalten ist nicht so ganz einfach. Wir haben einige getestet, die meisten hatten unerwünschte Nebenwirkungen (die ein "Normalesser" wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen würde). Etliche haben wir auch gar nicht versucht, weil schon beim Durchlesen der Beschreibung klar wurde, dass wohl eher Abfallprodukte teuer an den Käufer gebracht werden sollten, sprich, bestimmt nicht mehr viel darin enthalten sein würde. Gute Erfahrungen haben wir gemacht mit Algenprodukten der Firma Keimling, Perfect Food sowie reinem Cyanocobalamin (von Bakterien hergestelltes Vitamin B12), das der Apotheker für uns in Wasser angerührt hat.

Nüsse: In welcher Form sind Nüsse am besten verdaulich?

Nüsse sind dazu vorgesehen, lange Zeit herumzuliegen und auf geeignete Umweltbedingungen zu warten, um dann einen neuen Baum hervorzubringen. Damit die Enzyme, die für das Wachstum benötigt werden, nicht schon zu früh ihre Wirkung entfalten, enthalten Nüsse auch Enzyminhibitoren. Diese Inhibitoren behindern jedoch nicht nur die Wachstumsenzyme in den Nüssen sondern auch unsere Verdauungsenzyme, was ein Grund für die schwere Verdaulichkeit von Nüssen ist.

Durch mindestens 12-stündiges Einweichen in klarem Wasser kann man den Gehalt an Enzyminhibitoren minimieren, denn sie werden dabei sowohl ausgeschwemmt als auch abgebaut. Wenn man die Gelegenheit dazu hat, ist es gut, nach ca. 1 Stunde das Wasser zu wechseln. Zu diesem Zeitpunkt enthält das Einweichwasser bereits eine große Menge unerwünschter Stoffe. Ansonsten einfach über Nacht stehen lassen, am Morgen sind die Nüsse essfertig. Vor dem Verzehr noch einmal gut abspülen. Für unterwegs lässt man die Nüsse etwas abtropfen und verstaut sie in einem dicht schließenden Gefäß mit Deckel. Man muss nicht alle Nüsse sofort und auf einmal verbrauchen. Sie können problemlos mehrere Tage im Wasser liegen bleiben, vorausgesetzt, man spült sie einmal täglich kurz ab und wechselt das Wasser. In den Phasen, in denen wir Lust auf Nüsse haben, steht ein kleines Schälchen mit eingeweichten Nüssen in der Küche und wir nehmen uns ab und zu ein paar heraus. Von eingeweichten Mandeln lässt sich übrigens ganz leicht die Haut entfernen.

Samen weichen wir vor dem Verzehr auch ein, meist nur über Nacht. Sonnenblumenkerne lassen wir am liebsten keimen. Lediglich Sesam (ungeschält) wird bei uns in der Regel uneingeweicht gegessen, denn wir mögen ihn am liebsten gemahlen in Bananenpürees und Konfekten. Wenn man ihn nicht allzu häufig und in wohldosierten Mengen isst, kommt der Körper damit gut zurecht.

Überessen: Was kann man gegen das ständige Bedürfnis, sich mit Rohkost zu überessen, tun?

Manchmal hat häufiges Überessen mit ungünstiger Ernährung zu tun. Lies hierzu die Frage zum Hungergefühl.

Wenn du dich innerhalb der Rohkost ausgewogen ernährst, sind die Ursachen in der Psyche zu suchen. Ein Grund ist, dass man durch die gekochte Ernährung eine andere Definition von Sättigung hat. Satt fühlt man sich in der Regel dann, wenn der Magen voll ist. Mit Rohkost muss man aber schon ziemlich viel essen, um das Gefühl eines vollen Magens zu bekommen. Und das hält dann meist auch nicht solange an, wie mit Kochkost. Diese alte Definition gilt es durch die Assoziation von der Befriedigung des Ernährungsbedürfnisses mit Sättigung zu ersetzen. Das ist nur meist leichter gesagt als getan. Lerne zunächst, auf die Signale deines Körpers zu hören und sie zu beachten. Nach einiger Zeit Rohkost wird dir dein Körper immer öfter sagen, welches Nahrungsmittel er gerade benötigt. Vergleiche dann genau das Gefühl, wenn du dieses Nahrungsmittel isst oder wenn du ein anderes, was du im Moment gar nicht so richtig willst, wählst. Du wirst einen großen Unterschied feststellen im Genuss des Essens und auch im Gefühl, das das Essen im Körper hinterlässt. Beginne, dich immer mehr an dem befriedigenden Gefühl zu erfreuen, dass du durch ein gewolltes Nahrungsmittel erhältst. Konzentriere dich ganz bewusst darauf und versuche, es immer öfter als Sättigung zu akzeptieren. Das Gefühl der Befriedigung tritt übrigens meist deutlich vor einem spürbar gefüllten Magen ein.

Die wenigsten Menschen in der westlichen Welt essen, um sich zu ernähren. Gegessen wird häufig aus Geselligkeit, aus Langeweile, aus Frust, aus Einsamkeit, zur Ablenkung, zur Selbstbestrafung, aus Trotz, aus Angst, um sich zu betäuben... Wir selber können gar nicht aktiv etwas dafür. Durch unsere Erziehung und unser Vorleben hat sich dieses Essverhalten tief in uns eingegraben. Wir sind nicht Schuld daran. Das soll nicht heißen, dass wir es nicht ändern können. Es heißt nur, dass uns keine Schuld daran trifft, dieses Verhalten entwickelt zu haben.

Es gilt in erster Linie: sich nicht dafür schimpfen. Wenn wir uns für etwas schimpfen, wirken wir damit negativ auf unseren Körper und dessen Vorgänge ein, können uns also regelrecht "krank schimpfen". Besser machen wir es so auf keinen Fall. Akzeptiere, dass wir Menschen, keine Maschinen und schon gar keine Engel sind. Vergib dir selber die von dir unerwünschte Handlungsweise. Schimpfst du dich weiterhin, wirst du dich dadurch schlechter fühlen. Fühlst du dich schlechter, brauchst du Trost. Den wirst du höchstwahrscheinlich automatisch u.a. im Essen suchen. Ein Teufelskreis. Akzeptiere also Geschehenes als geschehen und male dir nicht aus, dass jede zu große Mahlzeit dich eher ins Grab bringt. So schlimm ist es auch wieder nicht.

Wenn psychische Gründe hinter dem Überfuttern stehen, nützt es nichts, nur sein Verhalten durch Disziplin im Zaum zu halten. Natürlich ist ein gewisses Maß an Disziplin für die Veränderung einer Gewohnheit notwendig. Sie ist aber nicht ausreichend. Wenn du nur auf Disziplin setzt, wirst du diese Disziplin jeden Tag, bei jeder Mahlzeit auf's Neue brauchen. Essen wird ein ständiger Kampf. Solche Kämpfe mit sich selber kosten viel Energie. Man kann sie am Ende nur verlieren. Versuchen wir also, unsere psychischen Probleme anzugehen. Sind sie nämlich gelöst, verschwindet auch das von ihnen ausgelöste Verhalten.

Oft haben wir uns auch angewöhnt, Leere durch Essen zu füllen. Füllen wir unser Leben mit anderen Dingen. Es kostet ein wenig Überwindung, aber fangen wir einfach an, uns verstärkt mit Dingen zu beschäftigen, die wir gerne tun. Anstatt uns gewohnheitsmäßig abends nach der Arbeit kaputt vor den Fernseher und uns dem Futtergelage zu widmen, beginnen wir den Abend mit etwas Bewegung. Ein paar Minuten reichen schon, um in einen anderen Trott zu kommen. Auf dem Weg nach Hause haben wir uns schon überlegt, was uns heute Spaß machen würde. Essen wir also gemäßigt zu Abend, was mit der Vorfreude auf die schöne Abendbeschäftigung nicht ganz so schwer fällt wir früher. Und dann genießen wir gleich den schönen Abend mit dem, was wir gerne tun möchten: Lesen, mit unserem Partner zusammen sein, ein Fensterbild malen, Tagebuch schreiben, das Wohnzimmer umdekorieren, eine Kurzgeschichte schreiben, mit einer Freundin telefonieren, den Aufdruck für ein neues T-Shirt entwerfen... Seien wir kreativ. Essen ist oft nur eine Ersatzhandlung für Kreativität. Und du wirst sehen: Wenn du etwas Kreatives tust, was dir richtig Freude bereitet, wirst du das Essen vergessen.

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