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Muss Rohkost teuer sein?

Viele Rohkostanfänger sind entsetzt, wenn sie ihren ersten Rohkostmonat hinter sich haben und feststellen, wie viel mehr sie für Nahrungsmittel ausgegeben haben als früher. Immer wieder taucht die Frage auf, wie um alles in der Welt man sich von Rohkost ernähren kann ohne dabei arm zu werden.

Es geht, sogar sehr gut. Wir haben in den letzten Jahren verschiedene Arten der Rohkost ausprobiert und dabei die ganze Palette von super-viel-Geld-ausgeben bis sehr-sparsam-leben mitgemacht. Hier unsere Tipps zur Schonung des Geldbeutels, denn:

Das Recht auf gesunde Ernährung darf keine Frage des Einkommens sein!



Konventionelle Produkte kaufen - eine Variante, von der wir abraten

Wildpflanzen

Keimlinge

Öle

Im Angebot kaufen

Rabatte nutzen

Trinken

Sich genau überlegen: Was brauche ich wirklich?


Konventionelle Produkte kaufen - eine Variante, von der wir abraten

Sich von Rohkost zu ernähren ist nur unwesentlich teurer als Kochkost, wenn man sich aus dem Supermarkt versorgt. Wir waren zur Zeit der Umstellung auf Rohkost Studenten. Unser Budget sah dementsprechend mager aus. Außerdem hatten wir auch vorher nicht im Naturkostladen eingekauft. Daher wären wir niemals auf den Gedanken gekommen, ausgerechnet dann damit anzufangen. Unsere Umstellungserfolge waren überwältigend, so dass wir auch aus diesem Grunde nicht eingesehen hätten, "Bio" zu kaufen. Heute wissen wir, dass es uns höchstwahrscheinlich wesentlich besser ergangen wäre, wenn wir den Supermarkt gemieden hätten. Viele Krisen, die wir auch nach über einem Jahr noch als Entgiftungserscheinungen interpretiert haben, könnten in Wirklichkeit gut Vergiftungen gewesen sein. Wir raten, wenn es irgendwie machbar ist, sich von biologisch gezogenen Produkten zu ernähren. Das hat viele Vorteile:

  • Man erspart sich die Aufnahme der chemischen Mittel, mit denen die Produkte behandelt worden sind.
  • Man bekommt Ware mit mehr Inhaltsstoffen und wesentlich mehr Geschmack.
  • Man wird feststellen, dass diese Produkte viel befriedigender sind und man weniger davon benötigt, um sich satt zu fühlen.
  • Man tut aktiv etwas für den Umweltschutz, denn wenn die Nachfrage an Bioprodukten steigt, steigt auch das Angebot und immer weniger Böden werden chemisch verseucht.
  • Man unterstützt Biobauern, also Menschen, denen die Umwelt (größtenteils zumindest) am Herzen liegt.
  • Man setzt durch Verschiebung der Nachfrage politische Akzente.
  • Man unterstützt gesündere Arbeitsbedingungen für Plantagenarbeiter in ärmeren Ländern, auf die bei der chemischen Behandlung der Plantagen keine Rücksicht genommen wird und die häufig ernste gesundheitliche Probleme davon bekommen.
  • ...

Zugegeben: 100%ig konsequent sind wir mit unserem Einkaufsverhalten auch nicht. Wenn im Sommer die Melonen Saison haben, kaufen wir sie beim Türken. Da gibt es einfach die besten und sie sind schweinegünstig. Auch Orangen und Mangos kaufen wir dort manchmal, weil wir sie (bis auf wenige Ausnahmen) noch aus konventionellem Anbau vertragen. Unser Obstkonsum ist jedoch ziemlich gering, so dass wir von dieser "Ausweichmöglichkeit" nur selten Gebrauch machen. Da sich unser Körper gleich beschwert, wenn wir zu sehr chemieverseuchte Nahrungsmittel zu uns nehmen, beziehen wir alles andere ausschließlich aus dem Naturkostladen. Die folgenden Tipps gelten auch alle für eine gesunde, rohe Ernährung aus Bioanbau.

Wildpflanzen

Wildpflanzen sind in jeder Hinsicht einfach genial. Sie haben wesentlich höhere Nährstoffgehalte als Zuchtpflanzen und sind zudem auch noch kostenlos. Wer die Möglichkeit dazu hat, tut bestimmt nicht schlecht daran, sich so weit es geht aus der Natur zu ernähren.

Aber genau das ist der Haken: Nicht jeder hat so einfach die Möglichkeit. Mit einem eigenen Garten ist es überhaupt kein Problem. Auch wer unvergiftete, relativ unberührte Natur in unmittelbarer Nähe seines Wohn- oder Arbeitsortes vorfindet, dürfte sich mit der Versorgung mit Wildpflanzen nicht allzu schwer tun. Aber was macht man, wenn man in einer Mietswohnung mitten in der Stadt wohnt? Oder in einem Haus, dessen Gemeinschaftsgarten von anderen Mitbewohnern ständig gemäht und vergiftet wird? Oftmals muss man recht weite Strecken zurücklegen, um vernünftige "Ernteecken" zu finden. Und was macht man in einem solchen Fall, wenn man aufgrund langer Arbeitszeiten und eines langen Arbeitsweges von morgens 7 bis abends 7 oder 8 Uhr aus dem Haus ist? Im Sommer hat man dann nach der Arbeit noch Zeit, in der Natur aufzutanken und sich mit Wildpflanzen zu versorgen. Aber im Frühjahr oder Herbst, wenn es schon früh dunkel wird? Vom Winter ganz zu schweigen.

Mit etwas Organisation kann es zumindest teilweise trotzdem klappen. Wenn es also irgendwie machbar ist, erfrischt man am besten jeden Tag Körper, Geist und Seele in der Natur und futtert munter drauflos. Für den nächsten Tag, bevor man wieder Zeit zum Hinausgehen hat, pflückt man sich dabei einen Vorrat. Frisch ist zwar besser, aber "vorgepflückt"ist besser als gar nicht.

Wenn es in der Woche absolut nicht möglich ist, sich Wildpflanzen zu besorgen, holt man dies am Wochenende nach. Als wir in einer solchen Situation gelebt haben, sind wir am Wochenende mit vielen Plastiktüten losgezogen und haben körbeweise Grünzeug gepflückt. Im Kühlschrank war manchmal kaum was anderes drin. Von diesem Vorrat nimmt man jeden Tag, was man benötigt. Wer jetzt sagt, da gingen mit der Zeit doch viele Inhaltsstoffe verloren, hat Recht. Aber es bleiben bestimmt noch mehr darin übrig als bei einem gekauften Salatkopf, der von vornherein nur einen Bruchteil der Nährstoffe beinhaltete und auch nicht kürzer irgendwo herumliegt. Und billiger ist es allemal.

Keimlinge

Ebenfalls sehr billig und extrem nährstoffreich sind Keimlinge. Man kann sie entweder pur essen oder sich Salate daraus machen. Wenn der Hauptbestandteil eines Salate Keimlinge sind, braucht man meist nur noch sehr wenige teure Zutaten, um eine superleckere, sättigende Mahlzeit daraus zu zaubern. Oft reichen schon eine halbe Tomate und eine Viertel rote Paprika, ein wenig Küchenkräuter, ein Löffelchen Öl - und fertig ist eine kostengünstige Gourmet-Mahlzeit. Wenn man bedenkt, wie viel man an Tomaten, Paprika und anderen Gemüsen essen muss, um sich befriedigt zu fühlen, schneidet der Keimlingsalat kostenmäßig um Längen besser ab.

Öle

Die meisten Rohköstler zählen die sättigenden Avocados zu ihren Grundnahrungsmitteln. Das ist auch gut so, denn etwas Fett braucht der Körper. Nur leider sind die Teile ziemlich teuer. Wir haben uns daher angewöhnt, Avocados nur noch zu kaufen, wenn der Körper uns ein ganz, ganz dringendes Bedürfnis danach signalisiert oder wenn sie mal im Angebot sind. Ansonsten benutzen wir (z.B. in unserem Keimlingsalat) verschiedene kaltgepresste Öle. Wirklich gute Öle sind zwar auch nicht besonders billig, wenn man aber bedenkt, wie lange man braucht, bis eine Flasche leer ist und das mit den Ausgaben für Avocados vergleicht, schneidet selbst das teuerste Öl meist besser ab. Die Aufnahme von Ölen in die Rohkosternährung hat übrigens noch einen Vorteil: Man nimmt ein breiteres Spektrum an Fetten zu sich, was dem Zellaufbau zu Gute kommt.
(s. dazu unsere "Bilanz nach 7 Jahren Rohkost")

Im Angebot kaufen

Angebote gibt es überall. Auch im Naturkostladen. Unser Speiseplan richtet sich stark danach, welche Frischware gerade im Sonderangebot zu haben ist. Sind es Tomaten, liegen bei uns stiegenweise Tomaten. Sind es Paprika, wird der halbe Kühlschrank davon bevölkert. Ist die Angebotsphase vorbei, zehren wir von den angelegten Vorräten. Und sind diese aufgebraucht, dann gibt es dieses Produkt eine zeitlang halt mal nicht oder nur eingeschränkt. Man muss nicht immer alles haben.

Häufig werden auch Gemüse und Früchte im Preis heruntergesetzt, die schon länger im Laden liegen und nicht mehr zum Originalpreis verkäuflich sind. Aber als Rohköstler sind wir ja froh, mal reife Bananen oder Mangos zu bekommen. Angeschrumpelte Äpfel schmecken auch noch Klasse. Und gerade Paprika macht es überhaupt nichts aus einzuschrumpeln. Sie halten sich auch in diesem Zustand noch lange im Kühlschrank. Nur wenn sie matschige Stellen haben, sind sie im Begriff zu vergammeln. Will man sie nicht länger als 2-3 Tage aufbewahren und sind die Stellen nur relativ klein, kann man die Paprika trotzdem kaufen und die Stellen einfach herausschneiden, bevor die Frucht im Kühlschrank landet.

Rabatte nutzen

Trockenwaren, wie Nüsse, Samen, Trockenfrüchte oder Keimsaaten halten sich sehr lange. Wenn man ganze Verpackungseinheiten, also einen Karton mit 6-10 Päckchen, abnimmt, geben die meisten Naturkostläden standardmäßig 10% Rabatt. Man sollte seine Verpackungseinheit lediglich ein paar Tage vorher bestellen. Fragt nach dieser Möglichkeit.

Wenn Ihr in Eurem Bioladen schon Stammkunde seid und bekannt dafür, dass Ihr größere Mengen und fast ausschließlich dort einkauft, sprecht die Besitzer des Geschäftes mal darauf an, ob sie Euch für Verpackungseinheiten noch einen zusätzlichen Sonderrabatt gewähren könnten. Manche Ladeninhabern kommen einem da gerne noch ein wenig entgegen.

Trinken

Insbesondere stark wasserhaltige Nahrungsmittel werden häufig nur deswegen in großen Mengen verzehrt, weil man Durst hat. Ein Glas Wasser wäre da wesentlich günstiger als eine Melone, eine Salatgurke oder 2 Tomaten, die man nur aus Durst über den Hunger hinaus isst.

Es schadet bestimmt nicht, etwas Wasser zu trinken, wenn man sich nicht so ganz sicher ist, ob man aus Hunger oder aus Durst essen möchte. Wenn man nach dem Trinken immer noch essen möchte, beginnt man halt einige Minuten später seine Mahlzeit - und spart vielleicht die eine oder andere Tomate ein.

Sich genau überlegen: Was brauche ich wirklich?

Und schließlich: Man sollte sich genau überlegen, was man wirklich braucht. Viele der kostenintensiven Leckereien wie exotische Früchte oder bestimmte, besonders teure Nüsse, sind purer Luxus. Sie erfreuen unsere Seele, werden aber vom Körper nicht wirklich ständig benötigt.

Horchen wir doch einmal ganz ehrlich in uns hinein. Möchten wir die tollen, teuren Sachen vielleicht doch nur als Seelenbalsam? Es ist sehr, sehr wichtig, seiner Seele etwas Gutes zu tun. Essen ist jedoch meist nur ein Ersatz für das, was die Seele wirklich braucht. Schauen wir, ob wir nicht Möglichkeiten der Seelenbefriedigung finden, die Geldbeutel und Verdauungssystem weniger belasten. Und beschränken wir den Kauf von Luxusprodukten auf die Gelegenheiten, wenn wir ganz eindeutig echten körperlichen Bedarf vernehmen.

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