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Was tun, wenn die Nerven nerven?

Erfahrungen mit Rohkost bei Multipler Sklerose.

Vortrag am 01.11.2003 im WAMOS Gesundheitszentrum, Berlin

Der Autor möchte nicht öffentlich genannt werde, ist uns aber bekannt.



Im Alter von 18 Jahren wachte ich eines Tages auf und musste feststellen, dass mein rechter Arm und die rechte Hand kribbelig bzw. pelzig waren. Zuerst dachte ich, ich hätte mich verlegen und dass dies wohl nur eine Durchblutungsstörung ist, die im Laufe des Tages verschwinden wird. Leider war dem nicht so. Stattdessen verschlimmerten sich die Symptome und ich hatte dieses Gefühl bald schon in beiden Armen und Händen und nahm zudem noch einen leichten Schwindel wahr. Es folgten zahlreiche Untersuchungen und schließlich eine Cortison-Infusion über 5 Tage im örtlichen Klinikum. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen blassen Schimmer davon, dass es sich dabei um Multiple Sklerose handeln könnte und, ehrlich gesagt, ich hätte zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nicht gewusst, dass eine Krankheit mit diesem Namen existiert. Umso mitleidiger war ich mit meiner damaligen Zimmergenossin im Krankenhaus als diese mir erzählte, dass sie Angst habe, ihre Symptome könnten die Diagnose Multiple Sklerose mit sich ziehen und erst recht zu dem Zeitpunkt als sie mir die Prognose bei dieser Krankheit erzählte. Aber statt Sabine, meine damalige Zimmergenossin, erfuhr ich ein paar Monate später, dass genau diese Diagnose bei mir im Raum steht...

Ab diesem Zeitpunkt (und auch weil ich während der Cortison-Infusion einen epileptischen Anfall hatte und seitdem antiepileptische Medikamente nehmen musste) war für die Ärzte klar, dass ich ab diesem Zeitpunkt einen regelmäßigen Tag-/Nachtrhythmus, viel Schlaf, keinen Alkohol und keine Flimmerlicht wie z.B. in der Disco mehr haben sollte. Das Schlimmste waren für mich damals nicht die Tabletten, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich erst ein paar Monate vorher meinen langersehnten Führerschein erhalten hatte und mir nun aufgrund des epileptischen Anfalls in der Klinik das Autofahren verboten wurde.

Das ging dann erst mal ein paar Jahre weiter � allerdings ohne Verbesserung oder Verschlechterung meiner Sensibilität in den Händen/Armen. In der Zeit schickten mich meine Eltern aus Verzweiflung zu sämtlichen MS-Experten in Deutschland, aber sie hätten mich zu Experten nach Amerika fliegen lassen können und das hätte denselben Effekt gehabt. Denn keinen dieser Ärzte konnte ich ernst nehmen und ich habe alle Theorien angezweifelt. Auch die Theorie meines damaligen Neurologen, der unbedingt meinte, dass ich jetzt so bald wie nur möglich anfangen sollte, mich zu spritzen

Ein für mich sehr wichtiger Schritt war der Beginn eines Studiums (Mathematische Finanzökonomie) in Konstanz, also am äußersten Rand von Deutschland. Zwar hat mir damals diese Abnabelung vom Elternhaus sehr gut getan und ich hatte während der ganzen Zeit in Konstanz keinen weiteren Schub, doch hatte ich nun ein anderes Problem: den Studiengang. Nach zwei Semestern änderte ich mein Studium und schrieb mich an der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg für Sozialpädagogik ein. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich zwar ein eher lockeres Studium gewählt, doch kam in jedem Semester vor, während oder nach der Klausurenphase grundsätzlich ein neuer Schub (interessanterweise immer in Form von Sensibilitätsstörungen). Nach kurzer Zeit war ich schon ein richtiger Profi was das Wissen um die möglichen Medikamente anging und �bestellte� mir mein Bett in der Uniklinik bei neuen Symptomen gleich selbst. Trotz Cortison veränderten sich meine Symptome aber fast nie. Irgendwann fing ich dann aufgrund von Panikmache durch meine behandelnden Ärzte damit an, mich täglich subkutan mit Copaxone (dies ist ein Immunmodulator bestehend aus 4 Aminosäuren) zu spritzen, aber auch das änderte nichts an der Tatsache, dass ich geballte Klausurentermine am Ende jedes Semesters hatte und ich bekam weiterhin meine Schübe in dieser Zeit.

Mitte 2002, während der Zeit meines im Studium integrierten Jahrespraktikums in der Psychiatrischen Uniklinik im 4. und 5. Semester, mutete ich mir eine ziemlich schwere Doppelbelastung zu. Da ich, im Vergleich zu meinen Kommilitonen, in meiner Praktikumstelle kein Geld verdient habe, suchte ich mir einen Nebenjob und fand mich schließlich am Wochenende als Pflegeassistentin eines MS-Schwerstbetroffenen (!?) wieder. Durch diese physische und psychische Doppelbelastung hatte ich meinen bis dato schwersten Schub in Form von erhöhter Muskelspannung in den Beinen durch die ich nicht mehr einschätzen konnte, wie weit mich meine Beine tragen können.

In diesem Moment bin ich langsam aus dem �Alptraum MS� aufgewacht und habe mehr und mehr angefangen, die Zusammenhänge Stück für Stück mehr zu erkennen und innerhalb von wenigen Tagen mein ganzes Leben komplett hinterfragt und auf den Kopf gestellt. Welche Faktoren in diesem Veränderungsprozess nun im einzelnen und in welcher Reihenfolge alle beteiligt waren, das kann ich heute nicht mehr genau sagen. Von den unterschiedlichsten Seiten (das war zum einen ein Kinesiologe von dem ich eigentlich nur ausgetestet haben wollte, inwiefern ich Milch und Weizen vertrage und der mir stattdessen von der Denaturierung der Lebensmittel erzählte; zum anderen war da mein Physiotherapeut, der selbst einen hohen Rohkostanteil hatte und meine MS-Theorien zusammen mit mir deutlich hinterfragte) bin ich auf das Thema Rohkost gestoßen worden und irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, dass ich dieses Thema einfach zulassen wollte. Deutlich wurde mir schon ziemlich bald, dass sich bei mir die Phasen der Überforderung immer mit auffällig hohem Schokoladen- und Kaffeekonsum geäußert haben, was ich sonst beides nicht leiden konnte. Da ich mir diesmal gleich nach dem Schub eine Auszeit in Form einer zweiwöchigen Krankschreibung gegönnt habe, hatte ich auch die Zeit, mich ganz bewusst auf das Thema Rohkost einzulassen. Nach unendlich langen Internet- und Literaturrecherchen führte mich mein Weg zuerst über die MS-spezifische Dr. Evers Rohkostdiät, die ich aber schon nach Kurzem aufgrund der � in meinen Augen � Inkonsequenz der neuen Form dieser Diät (sie wurde nach dem Tod von Dr. Evers �gesellschaftstauglich� gemacht und pries somit meiner Meinung nach zu viele Kompromisse an) kritisch in Frage stellte und für mich herausfinden konnte, dass nicht die defizitorientierte Rohkost (also die Rohkost, in deren Mittelpunkt noch immer die Krankheit steht), sondern die Rohkost als Lebensphilosophie mein Weg sein sollte. Bestätigung fand ich schon bald in der einschlägigen Rohkostliteratur und stellte innerhalb von einigen wenigen Tagen meine Ernährung schlagartig auf 100% Rohkost um. Nach nur kurzer Zeit verbesserten sich auch meine Symptome in den Beinen und bildeten sich komplett zurück. Seit dieser Zeit hatte ich auch keinen Schub mehr.

Mit meiner Ernährungsumstellung gingen aber nicht nur physische Veränderungen einher. Fast jeden Tag aufs neue konnte ich fühlen, wie mein Bewusstsein immer klarer wurde und wie ich immer mehr an mein eigentliches und bisher meist unterdrücktes Wesen herankam. Dadurch war es für mich auf einmal möglich, eine göttliche Existenz wahrzunehmen und tiefe Dankbarkeit für die Schöpfung, also die Natur, den Menschen und allen Lebewesen gegenüber zu empfinden. Seitdem ich dafür offen war �flogen� mir spirituelle Aufgaben- und Fragestellungen nur so zu und ich konnte mich für Themen und Lösungen im Bezug auf den Sinn des Lebens und mir bisher verborgenen Wahrheiten und Themen interessieren. Wo ich in den Jahren vorher hauptsächlich unglücklich, deprimiert, jähzornig, ungeduldig und unzufrieden war und dies auch an alle meine Mitmenschen weitergab, da bin ich heute glücklich, lebendig, gelassen, zentriert und zufrieden. Durch all diese Bewusstseins-veränderungen war es mir dann schließlich auch möglich geworden, klare Zusammenhänge im Bezug auf meine Krankheit zu erkennen. Alle diese nun hier darzustellen würde sicher zu weit gehen da auch immer die individuelle Biographie und (spirituelle) Entwicklung mitberücksichtigt werden muss. Was ich zum Beispiel IM NACHHINEIN an mir feststellen konnte, das war die Tatsache, dass...

...ich mich in dieser Krankheit, auch wenn sie sehr schlimm war, recht wohlgefühlt habe; mein Ego hat sich stetig um die MS gekümmert und sie gepflegt:

  • im täglichen Austausch mit anderen Betroffenen

  • im täglichen Jammern bei Freunden

  • durch die Aufmerksamkeit, die ich an der Fachhochschule erzeugen konnte weil ich aufgrund der Sensibilitätsstörung in meinen Händen Schreibzeitverlängerung in Klausuren benötigte

  • weil sich meine Neurologin etwa einmal im Quartal eine Stunde nur für mich und meine Probleme Zeit genommen hat und mich durch die Untersuchungen darin bestätigte, dass ich eine schlimme Krankheit habe

  • weil sich eine Psychotherapeutin etwa alle zwei Wochen eine Stunde nur für mich und meine Probleme Zeit genommen hat und mich darin bestätigte, dass ich eine schlimme Krankheit habe

  • weil ich mich nach einiger Zeit sogar noch täglich spritzen durfte und das Medikament immer gekühlt sein musste und ich somit auffiel egal wo ich hinging (z.B. beim Kneipenbesuch am Abend habe ich meine Kühltasche mitgenommen und bin zum Spritzen auf Toilette gegangen � das hat natürlich jeder am Tisch mitbekommen...)


...ich die Schübe immer nur in Situationen bekommen habe, in denen sich zwar mein Ego wohlgefühlt, dafür aber meine Seele ohne meines damaligen bewussten Wissens sehr gelitten hat:

  • kurz vor dem Abitur (der Zeitpunkt als die MS ausbrach), als ich eigentlich keine Lust mehr auf Schule hatte und eigentlich nur noch mein eigenes Leben leben wollte

  • vor, während und/oder nach der Klausurenzeit in der FH, die mir � im wahrsten Sinne des Wortes - jedes Mal den letzten Nerv geraubt hat

  • ein paar Wochen nachdem mein Freund mit mir Schluss gemacht hatte (da wollte mein Ego wohl unbedingt an ihm festhalten und so ging durch meine Seele der Schuss nach hinten los)

  • als sich mein Ego unbedingt beweisen musste, dass es möglich ist, 2 Jobs gleichzeitig zu erledigen ...und das auch gleich noch mit der für mich in dem Moment psychisch belastendsten Möglichkeit des Geldverdienens, der Pflege eines MS-Schwerstbetroffenen

  • ich genau in der Zeit der Krankheit von Gott oder Fügung nichts wissen wollte und eigentlich die MS als meinen �Gott� behandelt habe


Mittlerweile durfte ich zu der Erkenntnis gelangen, dass es eigentlich keine unheilbaren Krankheiten gibt � außer in der Definition der Schulmedizin. Um mich jedoch von Krankheiten befreien zu können, mussten also erst einige Voraussetzungen aus tiefstem Herzen (und nicht nur weil man ein �Werkzeug� in der Hand hat, mit dem man anscheinend Krankheiten überwinden kann, weil dann klappt�s nicht!) gegeben sein:

  • der von Gott/vom Leben bestimmte richtige Zeitpunkt!! (fühlt man, wenn�s soweit ist)

  • die Aufnahme von reiner Nahrung. (Vegetarische) Rohkost ist dafür zwar hervorragend geeignet, für manche mag aber schon das Weglassen von Fertignahrung, künstl. Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffen der richtige Weg sein

  • Offenheit für bedingungslose/wahre Liebe und Fähigkeit zur Weitergabe derselben

  • die Fähigkeit, nicht mehr von der Krankheit abhängig sein zu müssen (Vorsicht: vieles läuft unterbewusst ab!! Siehe oben!)

  • Sensibilität für die innere Stimme (bzw. auch gesunde, von Gott gegebene und von Geburt an vorhandene Intuition) und somit eine Seele, die nicht (unterbewusst) vom Ego unterdrückt ist

  • der Wunsch/die Fähigkeit, sich bewusst zu hinterfragen & an sich selbst zu arbeiten

  • Vertrauen zum eigenen Körper und der eigenen Intuition


Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute auf Ihrem Weg, viel Licht, Liebe und Gesundheit!

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