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7 Jahre konsequente Rohkost - eine Bilanz

von Gerd Wiegand und Stefanie Wiegand

Wir haben immer wieder Veränderungen an unserer Rohkost vorgenommen. Doch noch vor kurzer Zeit waren wir in Bezug auf die Nahrungsauswahl der Meinung: Hauptsache roh mit Keimlingen und möglichst vielen Wildpflanzen und alles ist gut. Dann machten wir eher zufällig eine Entdeckung. Gerd begann, sich mit dem Thema essentielle Nährstoffe näher zu beschäftigen. Da darunter auch die Omega-3-Fettsäuren fallen, kam er zu dem Schluss, dass man Hanföl doch einfach mal ausprobieren sollte. Nach nur wenigen Tagen mit je ca. 2 EL Hanföl am Tag bemerkten wir erstaunliche Veränderungen. Körperliche Erscheinungen, die wir vorher nicht so recht realisiert hatten oder dessen Ursachen wir in der Psyche oder einem vielleicht doch noch zu geringen Verzehr von Wildpflanzen gesucht hatten, begannen zu verschwinden.

Bei Gerd war es:
- trockene Haut
- Kopfschuppen (waren vor der Rohkost ein Problem, gingen mit ihr weg und kamen nach einigen Jahren wieder)
- Haarausfall (durch Rohkost gestoppt, begann erst vor sehr kurzem wieder)
- offene Stellen an den Schienbeinen (gingen mit der Rohkost zunächst auf ein Minimum zurück, kamen nach einigen Jahren wieder)
- langsam immer mehr sinkende Energie (nach einigen Jahren Rohkost, war zu Anfang wesentlich besser)

Bei Steffi war es:
- trockene Haut
- verzögerte Wundheilung; jede Wunde hinterließ rote Narben, die auch nach Jahren nicht verschwanden (trat nach ca. 3 Jahren Rohkost auf und wurde immer schlimmer. Vorher nie Probleme damit gehabt)
- Insektenstiche wurden riesig groß und dick (trat nach einigen Jahren Rohkost auf und wurde immer schlimmer. Vorher nie Probleme damit gehabt)
- viele Haare nach der Wäsche in der Dusche (ging auf ein absolutes Minimum zurück)
- langsam immer mehr sinkende Energie (nach einigen Jahren Rohkost, war zu Anfang wesentlich besser)

Erst mit dem Verschwinden der Symptome machten wir uns ihre Existenz so richtig bewußt. Beide bemerkten wir auch, dass wir wesentlich ruhiger, gelassener, ausgeglichener und fröhlicher waren als früher. Eine weitere Überraschung war, dass Gerd in der kurzen Zeit, die wir die Öle benutzten, eine bessere Muskelentwicklung hatte als vorher. Das alles machte uns nachdenklich.

Gerd als Wissenschaftler begann, intensiv zu recherchieren. Außerdem machen wir nun verschiedenste Versuche an uns selber. Wir finden dabei einiges, was wir vorher nicht für möglich gehalten hätten. Neben einigen Antworten tauchen auch immer mehr Fragen auf. Den derzeitigen Stand (vom August 2003) unserer Gedanken und Ergebnisse könnt Ihr im folgenden nachlesen.





Inhalt:


Einleitung

Definition des Begriffes Theorie

Dogmatismus

Mythen der Rohkost

Womit man sich von Krankheiten heilt, ist ideal zum gesund bleiben

Verarbeitungstemperatur

Verarbeitung und Zubereitung von Nahrung ist generell schlecht

Zubereitung

Verarbeitung

Obstrohkost

Urkost

Verzehr von Tierprodukten

Alle Wissenschaft und Medizin ist schlecht

Gefahrenquelle Nährstoffmangel

Anzeichen des Körpers ernst nehmen

Besondere Vorsicht ist bei Kindern geboten

Kritische Nährstoffe in der veganen Rohkost

Fette

Gesättigte Fettsäuren
Einfach ungesättigte Fettsäuren
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Mineralien

Zink

Vitamine

Vitamin D (Calciferol)
Vitamin B12 (Cobalamin)

Mögliches Vorgehen, um Risiken zu minimieren

Von veganen Kochköstlern lernen

Zusammenfassung

Das scheint gut

Hier wissen wir nicht genau

Das scheint nicht so gut

Was wir zu Zeit testen

Schlußwort





Einleitung

In der Rohkostszene herrscht viel Verwirrung. Es gibt unterschiedliche Richtungen, die häufig für sich das Recht herausnehmen zu behaupten, die alleinig richtige zu sein. Die Anhänger erheben ihre Kostform zur Religion und versuchen dann, alle Erfahrungen in dieses Schema zu pressen. Auch wenn sie sich dabei noch so sehr verrenken müssen.

Unser (Steffi & Gerd) oberstes Ziel ist nicht die Rohkost als Lebenssinn, sondern das Erreichen und Erhalten einer hervorragenden Gesundheit und einer maximalen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.

Neue Ideen erhalten wir durch Anregungen von außen sowie unsere Intuition. Diese Ideen überprüfen wir an uns selber und beurteilen sie aufgrund der Erfahrungen, die wir (und andere) damit machen. Den Ursachen für die Erfahrungen versuchen wir dann mit Hilfe von Gerds naturwissenschaftlichen Kenntnissen auf den Grund zu gehen und leiten daraus unsere Erkenntnisse ab.

Für eure Erfahrungen, Fragen, Anregungen, Gedanken... wären wir sehr dankbar. Teilt sie uns doch mit an info@roh-leben.de.

[Inhalt]

Definition des Begriffes Theorie

Noch ein Wort zu Theorien. Wissenschaftlich gesehen ist eine Theorie eine These, die durch experimentelle Versuche wiederholt bestätigt werden kann.

Der Weg in der Naturwissenschaft ist folgender: eine Idee (Hypothese), eine Kristallisation der Idee durch Gewinnen neuer Erkenntnisse (These), wiederholte Bestätigung der These durch Versuche (Theorie).

Im allgemeinen verkaufen die Leute ihre ersten Ideen aber gleich als Theorie. Wenn es dann noch ein bedeutender Mensch ist, der dies tut, wird ihm meist ungeprüft geglaubt. Oder noch schlimmer, Gegenthesen werden durch Geld und Einfluß unterdrückt. So halten sich viele Irrtürmer in der Medizin und den Ernährungswissenschaften noch heute aufrecht, ohne je wirklich nach wissenschaftlich fundierten Methoden überprüft worden zu sein. Leider macht diese Art des Vorgehens und der Begriffsverwirrung auch vor der Rohkostszene nicht halt.

Das Aufstellen und Bestätigen einer Theorie mag in der Physik noch "relativ einfach" sein. Bei solch einem komplexen Gefüge wie dem menschlichen Körper ist es mit heutigen Mitteln jedoch fast aussichtslos, wirklich definitve Aussagen über die komplette Funktionsweise zu machen. Es sind zu viele Parameter, die unberücksichtigt bleiben. Vielleicht bedarf es dabei auch einer ganz anderen Logik? Dabei handelt es sich jedenfalls nicht um die Logik, dass, wer am meisten Geld und Macht hat, wer am lautesten schreit oder wer am bekanntesten ist, unbedingt Recht hat.

Jeder, der von sich behauptet wissenschaflich zu arbeiten, sollte diese oben genannten, allgemein gültigen Definitionen beherzigen. Eine exakte Sprache ist in der Wissenschaft notwendig, um Begriffsverwirrung und Missverständnisse zu vermeiden (es gibt aus anderen Gründen derer schon genug).

Darum sagen wir es zu Anfang, ganz deutlich: Unsere im weiteren dargelegeten Erkenntnisse sind Hypothesen. Wir glauben, sie im Laufe unseres Schaffens und unseres Buch-Projektes zu Thesen verhärten zu können. Aber es bedarf vieler unabhängiger Versuche und Bestätigungen (die wir nicht alleine leisten können), um daraus auch nur ansatzweise eine Theorie werden zu lassen, sofern das Behauptete sich bewahrheitet.

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Dogmatismus

In einem Bereich wie der Medizin und den Ernährungswissenschaften bleiben viele Parameter unberücksichtigt. Jeder sollte sich bewußt sein, dass eine dort aufgestellte Lehrmeinung (These) nie ein unumstößliches Naturgesetz darstellt. Versucht man jedoch, alle neuen Erfahrungen und Beobachtungen, die einer aufgestellten Thesen entgegenlaufen, so hinzubiegen, dass sie passen, oder einfach zu ignorieren, so ist das Dogmatismus und hat nichts mit Wissenschaftlichkeit zu tun.

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Mythen der Rohkost

In der Rohkostszene, wie in anderen Lebensbereichen auch, existieren etliche Vorstellungen, die schon beinahe den Charakter von Mythen haben. An ihnen halten manche Menschen fest, obwohl sie ihnen manchmal eher Nachteile bescheren. Im folgenden sind einige dieser Mythen genannt. Wir möchten Euch einladen, sie einfach mal zu überdenken, falls Eure Grundüberzeugungen dabei sind.

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Womit man sich von Krankheiten heilt, ist ideal zum gesund bleiben

Viele Rohköstler sind wahrscheinlich durch eine Krankheit zur Rohkost gekommen und haben sich dadurch geheilt. Selbstverständlich sind sie dann geneigt, die Kostform, die sie praktiziert haben, als die ideale anzusehen. Dabei ist es aber meist nicht das, was man ißt, was heilt, sondern das, was man weglässt.1 Deshalb konnten und können auch Fastenkliniken so viele Erfolge verbuchen. Niemand würde deshalb jedoch auf die Idee kommen, zu behaupten, dass es dann ideal ist, überhaupt nichts mehr zu essen.

Bleibt man dann auf Dauer bei seiner eingeschränkten Kost, so kann das Komplikationen mit sich bringen, die durch einen Mangel an essentiellen Nahrungsstoffen hervorgerufen werden.

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Hauptsache roh

Die Annahme, dass man automatisch eine gute Kostform betreibt, wenn man nur jetzt alles roh ißt, scheint unzutreffend. Viele Giftstoffe, die in konventionell gezogenem Obst und Gemüse enthalten sind, können mitunter schlimmer sein als Fremdmoleküle, die durch Kochen entstehen.2

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Verarbeitungstemperatur

Viele Rohköstler haben Angst, dass ihre Nahrung zu hoch erhitzt sein könnte. Im Prinzip ist das auch richtig. Durch zu starkes Erhitzen kann Nahrung ihre Lebensfähigkeit einbüßen. Außerdem können neue giftige Moleküle enstehen, die den menschlichen Körper schädigen.

In einigen Fällen treibt die Angst aber solche Blüten, das selbst 100%-ig keimfähige, also lebendige, Keimsaaten abgelehnt werden, nur weil sie über einer bestimmten Tempertur getrocknet wurden.

Meist handelt es sich bei dieser Temperatur um 41°C, welche die kritische Temperatur für einige Enzyme ist.

Enzyme sind vereinfacht dargestellt eine Verbindung eines komplexen Eiweißmoleküls (Apoenzym) mit einer Wirkgruppe (prostetische Gruppe bei starker Bindung an das Apoenzym, Coenzym bei schwacher Bindung an das Apoenzym).

In Laborversuchen verlieren die empfindlichsten Enzyme bei eben jener Temperatur ihre Aktivität. Meist geschieht dies aus der Tatsache heraus, dass das Eiweißmolekül seine räumliche Struktur (Tertiärstruktur) verändert. Manche Enzyme verlieren ihre Aktivität auch ohne ihre chemische Struktur in irgendeiner Weise zu ändern. Dieser Aktivitätsverlust ist nur durch indirekten Nachweis über die Stoffe, die sie umsetzen (Substrate) nachzuweisen. Nur - das alles spielt sich im Labor in Reaktionsgefäßen mit standardisierten Lösungen und Nachweisverfahren ab. Die Enzyme befinden sich dabei nicht mehr in ihrem natürlichen Verbund. Die Zellen eines Lebewesens sind aber weitaus komplexer als diese standardisierte Laborumgebung.3

Ein sehr schönes Beispiel ist der Urzeitkrebs Triops longicaudatus kurz Triops genannt. Ein wahrer Überlebenskünstler, dessen Eier auch 10 min Kochen überstehen, um danach, wenn die entsprechenden Bedingungen eintreten, wieder sehr lebendige Tierchen hervorzubringen. Einzelne, aus diesen Eiern isolierte Eiweißmoleküle, würden schon bei 41 °C zerstört werden. Aber der ganze Komplex des Eies ansich ist ein wahres Bollwerk gegen widrige Umstände.

Wenn Keimsaaten einen Erhitzungsprozess überstehen und dann auch noch wunderbar keimen, ist das für uns Beweis genug, dass ihre Lebenskraft erhalten geblieben ist. Kaum eine Pflanze hätte im Laufe der Erdgeschichte wahrscheinlich überlebt, wenn ihre Saaten schon bei einer Temperatur knapp über 41 °C kaputt gegangen wären.

Auch Früchte, die wir in der Natur gefunden haben, waren sehr wahrscheinlich höheren Temperaturen ausgesetzt. Kirschen oder Feigen (um nur zwei Beispiele zu nennen), welche von den Bäumen gefallen waren und stunden- oder tagelang in der prallen Sonne lagen. Teilweise noch mit Unmengen ganz fideler Maden darin. All das wurde von Tieren und natürlich auch von uns (sehr zum Ärgernis der Tiere) noch verzehrt. Stark erhitzte Trockenfrüchte z.B. sind also etwas natürliches.

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Verarbeitung und Zubereitung von Nahrung ist generell schlecht

Zubereitung

Sehr viele Rohköstler lehnen das Verarbeiten und Zubereiten von Nahrungsmitteln mit dem Argument der Unnatürlichkeit ab. 5 Jahre lang waren wir auch dieser Überzeugung und haben nach diesen Prinzipien gelebt, die letzten 2 Jahre davon nach der Urkost. Wir haben eine Kostform praktiziert, bei der wir nur maximal drei verschiedene Nahrungsmittel in einer Mahlzeit und dann auch nicht vermischt gegessen haben. Dabei hatten wir oft das Gefühl nicht satt zu sein, und haben dadurch viel zu viel gegessen. Mit dem Einbeziehen von Wildkräutern hat sich das wesentlich verbessert, aber der häufige Hunger und das Zuvielessen blieb. Das nur auf einen Mangel an Disziplin zurückzuführen, wäre zu einfach. In unserer gesamten Lebensgeschichtel haben wir schon ziemlich viel Willensstärke bewiesen. Auch traten mit der Zeit diverse gesundheitliche Ungereimtheiten auf. Eine weitere Erklärung wäre also, dass der Körper uns einen Mangel signalisiert hat. Intuitiv wurden wir zu den Keimlingen gelenkt. Der Verzehr von Keimlingen und das Einbeziehen von kaltgepressten Ölen in unsere Nahrung hat dann wieder eine Verbesserung unseres Allgemeinbefindens bewirkt. Außerdem fühlen wir uns nach einem Keimlingsalat mit Öl richtig satt. Um die Sättigung zu erreichen, brauchen wir nur ziemlich wenig zu essen, so dass das Verdauungssystem nicht so stark belastet ist und wir uns noch leicht und energiegeladen fühlen. Zudem hält eine solche Mahlzeit sehr lange vor.

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Verarbeitung

Es gibt kein Gesetz in der Natur, welches die Veränderung oder Verarbeitung von Nahrung verbietet. Dies wurde schon lange bevor der Mensch diese Erde betreten hat von einigen Tieren so gemacht. Blattschneiderameisen züchten aus dem Brei zerkauter Pflanzenteile (meist Blätter) Pilze, die sie für ihre Nahrung nehmen. Dafür halten sie in ihrem unterirdischen Bau ein sehr konstantes Klima.4 Auch die Bienen verändern den von ihnen gesammelten Nektar zu ihrer Nahrung, dem Honig. Oder Vögel, die Saaten in ihrem Kropf keimen lassen, nehmen eine Art der Verarbeitung vor. Dieses sind nur ein paar Beispiele.

Uns als Menschen ist unsere Intuition, unser Verstand und unsere Fingerfertigkeit gegeben. Nichts spricht dagegen, diese Fähigkeiten auch zu nutzen. Sofern wir dabei immer im Auge behalten, ob es zu unserem Nutzen oder Schaden ist.

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Obstrohkost

Viele Anhänger der Natural Hygiene, die diese Rohkost praktizierten, sind daran schon qualvoll zugrunde gegangen. (Dies erzählte uns Dr. Fred Bisci, der so manche solcher Anhänger persönlich gekannt und auch überlebt hat, in persönlichen Gesprächen).

Auch viele Obstrohköstler hierzulande, die hauptsächlich durch Helmut Wandmaker zu dieser Ernährungsform gefunden hatten, mussten erkennen, dass irgendetwas nicht stimmt. Wir selber waren fast 3 Jahre lang so verblendet, dass wir alle Krankheiten als Heilungskrisen abgetan haben, bis hin zur massiven Schädigung unserer Zähne.

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Urkost

Diese Lehre vertritt eine vegane Rohkost (von ein paar Insekten mal abgesehen), in der empfohlen wird, hauptsächlich wilde Früchte und Gemüse, wildes Grün (verschiedenste Kräuter), Blätter und tropische Früchte zu essen, weil daran laut Lehrmeinung, der Körper genetisch am besten angepasst ist. Sie ist damit eine Kostform, welche den Körper schon mit sehr vielen Vitalstoffen versorgt. Alles Verarbeitete lehnt sie jedoch ab, wie Pflanzenöle, frisch gepresste Säfte, Sauerkraut, Keimlinge, usw.

Uns stellt sich dabei nur die Frage: Wie sah die damalige Umgebung aus, die unsere Gene geformt hat? Können wir das wirklich mit Sicherheit wissen? Und können wir diese Umstände von früher unter heutigen und hiesigen Bedingungen wirklich wieder herstellen? Benötigen wir aufgrund der veränderten Lebens- und Umweltbedingungen nicht vielleicht eine etwas andere Kost als unsere Vorfahren? Tropische Früchte wachsen in unseren Breiten nicht. Unsere Natur ist so verarmt, dass es kaum noch wilde Früchte gibt. Und ob die hiesigen Kräuter noch alle Stoffe wie zu Urzeiten (Um welche Urzeit geht es dabei überhaupt?) beinhalten, wagen wir auch zu bezweifeln. Der heutige Mensch in der westlichen Welt ist Strahlungen und Umweltgiften ausgesetzt, die früher so nicht existierten und hat in der Regel einen vorgeschädigten Körper.

Zusätzlich tritt noch eine ganz andere Problematik auf, nähmlich die Zeit und der Aufwand zur Nahrungsbeschaffung und zum Essen. Viele Vertreter verschiedenster Rohkostrichtungen halten einem ja gerne die Natur vor, vor allem unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen. Obwohl wir meinen, dass diese Vorgehensweise, wenn sie zu kritiklos betrieben wird, große Irrtümer hervorbringen kann (ein menschlicher Organismus ist dem eines Affen nur extrem ähnlich, mit ihm aber nicht identisch), kommen wir hier dieser Aufforderung nach. Ein Paradebeispiel eines veganen Urköstlers ist der Gorilla 5(Wir nehmen deshalb nicht unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, weil die wahrscheinlich auch Fleisch essen, was Urköstler ja ablehnen). Der Gorilla ist ein imposantes Tier, der so groß und stark ist, dass er es mit jedem Löwen spielend aufnehmen kann. Darüberhinaus ist er sehr friedliebend. Sein Tag sieht folgendermaßen aus: 40% Ruhen, 30% Nahrungsaufnahme, 30% Umherstreifen (um neue Nahrung und vor allem ganz bestimmt Nahrung zu finden). Durchschnittlich werden die Männchen ca. 200 kg schwer und verzehren dabei 20 kg, haupsächlich wildes Grün, am Tag. Auf einen Menschen mit 70 kg umgerechnet hieße das, er hat 7 kg, hauptsächlich Grün, am Tag zu essen. Wer von den Urköstlern isst auch nur annähernd 1/7 davon? (Zum Vergleich: hier hält Gerd eine Schüssel mit 50g Löwenzahn) Und wer streift ca. 5 Std im Wald umher, um alles Notwendige an Nahrung zu finden und verbringt weitere 5 Std. dann mit dem Essen? Der Vergleich wirft noch weitere Fragen auf: Sind die 6 Std. Ruhe vielleicht auch dazu da, damit die Verdauung optimal funktioniert? Essen Gorillas ab und zu deswegen ihren Kot, um das im unteren Darmabschnitt gebildete Vitamin B12, welches dort nicht assimiliert werden kann, ihrem Körper zugänglich zu machen?

Wir denken, die Urkost ist eine optimale Ernährung, wenn man ein Gorilla in seiner natürlichen Umgebung ist. Wir bezweifeln jedoch, dass ein Mensch in unserer Industrienation mit seinem Tag, der hauptsächlich zum Geldverdienen genutzt werden muss, diese Kostform erfolgreich praktizieren kann. Viele essentielle Nährstoffe, die einfach beim Gorilla durch die Auswahl und Menge an Grün ausreichend gedeckt sind, kann hier ein Mensch dadurch nicht aufnehmen.

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Verzehr von Tierprodukten

Eine Möglichkeit, sich alle essentiellen Nährstoffe in ausreichendem Maße zu holen, sehen einige darin, rohe tierische Produkte in ihre Nahrung aufzunehmen. Durch den Verzehr von rohem Fleisch (vor allem Leber) bekommt man sein Vitamin B12. Der Verzehr von Fisch stellt einem außerdem noch die essentiellen Omega-3-Fettsäuren zur Verfügung. Nur - um auf diese Art an genügend Omega-3-Fettsäuren zu kommen muss man schon sehr regelmäßig (2-3x die Woche) fetten Fisch essen.6

Für einige auf dieser Welt lebende Völker, z. B. die Eskimos, ist es aufgrund ihrer Umweltbedingungen unumgänglich Fleisch, Fisch oder andere Tierprodukte zu verzehren, um an alle nötigen Nährstoffe heranzukommen. Viele Völker auf tropischen Inseln ernähren sich größtenteils vom Fischfang und sind dabei sehr gesund. Warum, so fragt man sich als veganer Rohköstler, leben die nicht nur von ihren tollen tropischen Früchten? Wir können nur mutmaßen: Früchte gibt es selbst in tropischen Paradiesen nicht das ganze Jahr über in ausreichender Menge und sie enthalten nicht alle essentiellen Nährstoffe. Die vorhandenen Grünpflanzen würden in ihrer Menge nicht ausreichen, um alle Menschen zu ernähren. Außerdem enthalten alle Grünpflanzen mehr oder wenig hohe Konzentrationen an pflanzlichen Abwehrstoffen, die da sind: Phenole, Alkaloide, Blausäureglycoside, Glucosinolate, Lectine, Proteaseinhibitoren und Phytoalexine. Die Kapazitäten des menschlichen Körpers sind nur begrenzt um diese Gifte zu neutralisieren, so dass man nicht soviel davon verträgt, wie zu einer ausreichenden Nährstoffversorgung nötig wäre.7

Nebenbei erwähnt, hätten viele Völker die Eiszeit nicht überlebt, wenn sie sich nicht von der Jagd ernährt hätte.

Denn allermeisten der Mischköstler ist jedoch gemeinsam, dass sie die Tiere kochen.

Wir sehen im rohen Fisch- und Fleischkonsum mehrere Gefahren:

Zum einem die Keime und Parasiten, die in Fisch oder Fleisch nun mal drin sind, werden durch einen fehlenden Erhitzungsvorgang nicht abgetötet, und können auch bei Kochköstlern, deren Fleisch nur unzureichend gegart wurde, schwere Krankheiten auslösen; zum anderen durch die Giftstoffe, die im Körper bei der Verdauung frei werden, oder zum Teil auch enstehen, und schon bei so vielen Kochköstlern zu Krebs oder anderen Krankheiten geführt haben. Etliche Vertreter dieser Richtung glauben, sie wären immun gegen all diese Krankheiten. Sie argumentieren so, dass, da sie ja vollständig roh leben, was natürlich ist und folglich nicht schädlich sein kann. Ein paar haben diesen Irrtum auch schon mit ihrem Leben bezahlt und andere sind dem Tot nur knapp von der Schippe gesprungen, da sie im letzten Moment ein Einsehen hatten und sich behandeln ließen (nach Aussagen von David Wolfe).

Zum anderen sind in der heutigen Zeit viele tierische Lebensmittel, vor allem Seefisch, sehr stark chemisch belastet.

Darüberhinaus ist es unökologisch und unökonomisch Tiere zur Nahrungsquelle zu machen.

Nicht zu vergessen die ethische Frage und ein spiritueller Aspekt, der mit der Tötung von Tieren einhergeht.

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Alle Wissenschaft und Medizin ist schlecht

Unter einigen (zum Glück den wenigsten) Rohköstlern ist die Ansicht verbreitet, dass alle Medizinrichtungen und alle Wissenschaften nur Scharlatanerie sind. Gewiss ist gerade bei unserer heutigen Medizin eine Tendenz in der gesamten Geschichte bis heute zu erkennen, dass sich nur wirtschaftliche oder machtpolitische Aspekte durchgesetzt haben. Deswegen aber diese Wissenschaft zu verteufeln ist unangebrachtes Schwarz-Weiß-Denken. Viele Vorgänge im Körper wurden und werden von unseren Biowissenschaften hervorragend erklärt. Klar, das sind immer nur Steinchen des großen Mosaik des Lebens, aber es können viele Erkenntnisse genutzt werden, um Mängel in der heutigen menschlichen Ernährung (Mischkost sowie Rohkost) aufzudecken und Lösungen anzubieten. Im Laufe der Medizingeschichte gab es immer wieder erstaunliche Entdeckungen, die unterdrückt oder nicht ernst genommen wurden. Beispielhaft zu erwähnen sei hier nur die Theorie des Pleomorphismus, die von Pierre Jacque Antoine Bechamp begründet wurde. Sie besagt, dass sich die Mikroben ihrem jeweiligen Milieu anpassen und dadurch verändern. Dem gegenüber steht der Monomorphismus, der unsere heutige Mikrobiologie prägt. Sie wurde von Louis Pasteur begründet, der durch seine finanziellen und machtpolitischen Mittel Bechamps Auffassung unterdrückt hat. Es gibt noch viele Namen und Thesen zu nennen, die man mal genauer untersuchen sollte (dies ist auch ein Thema unserer weiteren Forschungen).

[Inhalt]

 

Gefahrenquelle Nährstoffmangel

Wie oben schon angedeutet, fühlten wir uns häufig früher auch nach üppigen Rohkostmahlen immer noch nicht befriedigt. Sollte das nach all den Jahren konsequenter Rohkost immer noch an Reinigungskrisen oder Sucht liegen? Wir haben im Laufe der Zeit aus unseren Fehlern gelehrnt und denken, dass damit der Körper einen Mangel signalisiert hat. Man nehme nur als Beispiel eine "normale" Kochkost-Schwangere, die alle möglichen Nahrungsmittel in den wildesten Kombinationen in sich hineinstopft. Die Menge resultiert daraus, dass Kochkost kaum noch Lebensstoffe enthält, und die wilden Kombinationen lassen sich gut damit erklären, dass, wenn bestimmte Nährstoffe gemeinsam eingenommen werden, sich deren Bioverfügbarkeit erhöht.

Ein weiteres Anzeichen dafür, dass es trotz einer konsequenten, ausgewogenen Rohkost mit vielen Wildpflanzen zu Nährstoffmangel kommen kann, waren gesundheitliche Unstimmigkeiten, die erst nach ein paar Jahren Rohkost bei uns aufgetreten waren und mit dem Verzehr von diversen Ölen sehr schnell zu verschwinden begannen.

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Anzeichen des Körpers ernst nehmen

Wir haben in der Rohkost jahrelang den Fehler gemacht, Anzeichen des Körpers nicht ernst zu nehmen. Wir haben sie als Reinigungserscheinungen oder als Aufkommen alter Süchte gewertet. Zum Glück ist das bei uns noch alles glimpflich abgegangen (bis auf eine Schädigung der Zähne). Einige Rohköstler, darunter auch Mütter mit ihren Kindern, haben leider sehr üble Erfahrungen machen müssen. Wir alle sollten aus diesen schlechten Erfahrungen lernen.

Wenn man Anzeichen an sich bemerkt, die erst mit der Rohkost gekommen sind, muss man das ernst nehmen. Bei uns (vor allem bei Steffi) verschlechterte sich von Jahr zu Jahr mit der Rohkost die Wundheilung. Kleinste Verletzungen brauchten sehr lange zum Heilen und es blieben unschöne Narben zurück. Mit dem Einbeziehen von Hanföl in unsere Nahrung geht dies immer mehr zurück und auch die alten Narben beginnen zu verblassen. Dies hing damit zusammen, dass unsere Nahrung kaum Omega-3-Fettsäuren enthielt, die ganz entscheidend am Aufbau von neuen Zellen beteiligt sind.

Man kann es nicht genug erwähnen: Verschließt nicht die Augen, nur weil ein "Ernährungsexperte", gleich welcher couleur, euch ein gesundes Urteilungsvermögen abspricht. Vertraut auf die Weisheit eures Körpers und gebraucht euren Verstand. Nehmt Anzeichen ernst.

Wenn wir auch nach längerer konsequenter Rohkost Lust auf bestimmte gekochte Nahrungsmittel bekommen, sollten wir uns fragen, was diese Nahrungsmittel enthalten könnten, das unser Körper braucht. Dann sollten wir versuchen, ihm diese Nährstoffe durch eine geeignete Auswahl von rohen Nahrungsmitteln zuzuführen. Gelingt uns das nicht, und das Verlangen ist sehr stark, so ist es evtl. sinnvoll, dieses gekochte Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Allerdings nicht in raffiniert gewürzten Gerichten sondern relativ einzeln und ungewürzt, um auszuschließen, dass es nur um Sucht und den guten Geschmack geht.

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Besondere Vorsicht ist bei Kindern geboten

Beeindruckt hat uns da der Bericht von Karen Knowler auf dem 9. Wurzel-Kongress. Sie berichtete über ihre Schwangerschaft. Sie hatte ein unstillbares Verlangen nach einem Kochkostgericht bekommen. Kein Rohkostgericht konnte sie mehr befriedigen. Sie entschied sich dafür, das gekochte Gericht zu essen. Als sie es dann eine paarmal gegessen hatte, war das Verlangen danach komplett verschwunden. Ihr Körper hat es sogar abgelehnt, was vorher nicht der Fall war. Für uns der beste Beweis, dass es sich dabei nicht um eine Sucht gehandelt hat.

Außerdem hat Karen sicherheitshalber Vitamin B12-Präparate genommen. Das Ergebnis, sie hat ein sehr gesundes Kind zur Welt gebracht. Wir fanden ihre Vorgehensweise sehr klug.

Natürlich wissen wir nicht, ob das Kind von Karen Probleme bekommen hätte, wenn sie anders gehandelt hätte. Solange jedoch nicht eindeutig geklährt ist, was es mit dem Vitamin B12 auf sich hat, werden wir vorsichtshalber auch diese Vorgehensweise einschlagen und ggf. auf ein veganes Vitamin B12-Präparat zurückgreifen. Wir wollen lieber auf Nummer sicher gehen, als das Risiko einzugehen, evtl. ein geschädigtes Kind aufzuziehen.

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Kritische Nährstoffe in der veganen Rohkost

Die folgende Liste ist bei weitem nicht vollständig. Sie soll nur die Sensibilität für dieses Thema erhöhen. Außerdem hängt es sehr davon ab, wie genau sich der jeweilige Rohköstler im einzelnen ernährt. Übrigens: außer an den gesättigten Fetten haben auch sehr viele Kochköstler einen Mangel an den unten genannten Stoffen.

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Fette

Gesättigte Fettsäuren

Kommen in hohen Maße in Kokosnüssen vor (hauptsächlich Palmitinsäure), oder in Olivenöl (Palmitinsäure 0,5-5%, Stearinsäure 0,3-3%).

Einfach ungesättigte Fettsäuren

Wie z.B. die Ölsäure, eine Omega-9-Fettsäure.

Wer Avokados und oder Olivenöl zu sich nimmt, hat daran keinen Mangel.

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Mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind die Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure) und Omega-3-Fettsäuren (α-Linolensäure). Die γ-Linolensäure kann aus der Linolsäure gebildet werden.

Beide Fettsäuren findet man in Pflanzenölen, jedoch in unterschiedlichen Konzentrationen und Verhältnissen. In Pflanzen kommt nur die kurzkettige α-Linolensäure (ALA) vor. Der Körper kann aus diesen allerdings die langkettigeren Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosa-hexaensäure (DHA) bilden.8

Omega-6 und Omega-3-Fettsäuren sollten im richtigen Verhältnis zueinander zu sich genommen werden. Frühere Empfehlungen lagen bei 8:1. Man tendiert aber eher noch zu einem geringeren Anteil der Omega-6-Fettsäuren, also 5:1.9

"Die unzureichende Zufuhr von essentiellen Fettsäuren führt dazu, dass gesättigte oder nur einfach ungesättigte Fettsäuren als Ersatz in Membranen eingesetzt werden und Eicosanoide gebildet werden, die andere biologische Eigenschaften haben. Klinische Symptome dafür sind Hautschäden, Nierenschäden, Fortpflanzungsstörungen und verzögerte Wundheilung."10

Öle mit einem sehr hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sind: Leinöl und Hanföl (haben den höchsten Gehalt), Walnusöl (wird nur leider immer aus gerösteten Wallnüssen angeboten) und Rapsöl. Diese Fettsäuren sind natürlich auch in den entsprechenden Samen enthalten.

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Mineralien

Zink

Liste der Aufgaben, die Zink hauptsächlich erfüllt, aus Leitzmann/Hahn "Vegetarische Ernährung":

  • Bestandteil von mehr als 100 Enzymen im Kohlenhydrat- und Energiestoffwechsel, im Proteinaufbau und in der Häm- und Nukleinsäuresynthese.

  • Am Kohlendioxidtransport beteiligt -> Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Haushalts

  • Stabilität biologischer Membranen

  • Wundheilung

  • Speicherung von Insulin

  • Entgiftung von Alkohol

  • Synthese von Testosteron

Viele vegane Rohköstler sollen daran einen Mangel haben. Mit Keimlingen, wie Linsen und Alfalfa bekommt man damit mehr als genug (unsere Blutwerte lagen über dem Maximalwert).

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Vitamine

Vitamin D (Calciferol)

Das aktive Vitamin D3 ähnelt in Herkunft und Wirkungsweise den Steroidhormonen (man sollte es eigentlich besser als Hormon bezeichnen). Es kann vom menschlichen Körper selber aus Cholesterin gebildet werden, unter Zuhilfenahme der Lichtenergie über die Haut. Dort wird eine inaktive Zwischenstufe gebildet, die dann über die Leber in der Niere in aktives Vitamin D3 umgewandelt wird.11

Vitamin D ist nur in tierischer Nahrung enthalten. Veganer müssen daher darauf achten, dass sie genug Sonnenlicht bekommen. Mit einer 15 minütigen Sonnenbestrahlung am Tag auf Gesicht und Arme (muss keine direkte Sonne sein) soll der Bedarf aber gedeckt werden können.

Sollte keine ausreichende Versorgung gewährleistet sein, sei es durch Lichtmangel (in Skandinavien beispielsweise ist die Sonneneinstrahlung teilweise schon zu gering) oder andere Faktoren, so muss Vitamin D sublementiert werden. Dabei kann man Vitamin D2 zu sich nehmen, welches durch UV-Bestrahlung aus dem Ergosterol von Hefe gewonnen wird (also auch für Veganer geeignet).

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Vitamin B12 (Cobalamin)

Das wohl derezeit am meisten kontrovers diskutierte Vitamin in der Rohkostbewegung.

Chemisch dem Häm (Wirkgruppe im Hämoglobin, die das Zentralatom trägt) verwandt. Nur dass statt Eisen Cobalt als Zentralatom genommen wird. -Anm: das Chlorophyll der Pflanzen ist ähnlich wie Häm aufgebaut und hat als Zentralatom Magnesium-.

Die ersten Anzeichen eines Vitamin B12 -Mangels sind die der pernikulären Anämie. Der Kranke ist blaß, schwach, antriebsarm und schwindlig. Diese Form des Vitamin-B12-Mangels kann noch gut mit Gabe von B12-Präparaten behoben werden. Das nächste Stadium ist dann die funikuläre Myelose. Hierbei können Nerven irreversibel geschädigt werden. Da Folsäure und Cobalamin sehr eng zusammenarbeiten und Veganer meist sehr gut mit Folsäure versorgt sind, kann es sein, dass das erste Stadium eines Vitamin B12 -Mangels überdeckt und nicht wahrgenommen wird, so dass erst das zweite Stadium entdeckt wird. Deshalb sollte Vitamin B12 ein sensibles Thema in der veganen Rohkosternährung sein.

Vitamin B12 kann in der Leber in so großen Mengen gespeichert sein, dass Magelerscheinungen erst nach 20 Jahren auftreten.

Vitamin B12 kann nur von Bakterien, Pilzen und einigen Algen selber gebildet werden. Höhere Pflanzen bilden es nicht. Die Meinungen über die verschiedenen Quellen, wie Algen, Sauerkraut, Nährhefe, Miso usw. gehen auseinander, da es auch eine inaktive Form des Vitamin B12 gibt, die die aktive Form blockieren kann. Auch, ob das von Bakterien im menschlichen Darm gebildete Vitamin B12 vom Körper aufgenommen werden kann, ist unklar. Es gibt Hinweise dafür, dass dies bei einigen Personen möglich sein soll.

Es könnte sinnvoll sein, während der Schwangerschaft und der Stillzeit Vitamin B12 -Präparate zu sich zu nehmen. Da dieses Cyanocobalamin von Bakterien gebildet wird, die nur mit pflanzlichen Stoffen "gefüttert" werden, ist es auch für Veganer eine Option. Es gibt allerdings auch Präparate, die aus tierischen Quellen gewonnen werden. Sie erkennt man am Inhaltsstoff Hydroxycobalamin.


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Mögliches Vorgehen, um Risiken zu minimieren

Hier sind ein paar Vorgehensweisen, die helfen könnten, all die Vorteile einer Rohkosternährung zu nutzen, ohne dabei in Fallen zu tappen:

  • Zu allererst die Frage stellen:
    Ist das, was ich tue oder zu mir nehme, meiner Gesundheit förderlich und ermöglicht es mir eine gute geistige und körperliche Leistungsfähigkeit.

  • Mythen zugunsten der eigenen Intuition und des Verstandes aufgeben.

  • Immer nach neuen Möglichkeiten suchen

  • Nicht alle Wissenschaft von vorneherein verdammen

  • Eventuell auf Nummer sicher gehen durch Nahrungsergänzungsmittel

Sicher, uns gefällt der Aspekt mit den Nahrungsergänzungsmitteln auch nicht so besonders. Es gibt jedoch einige sehr schonend hergestellte, fremdstoffarme und kostengünstige Präparate auf dem Markt. Wenn sie eine positive Wirkung erzielen, sollte man sicherheitshalber lieber darauf zurückgreifen, bis einige Fragen wirklich abschließend geklärt sind. Anders als in vielen Rohkostkreisen ist bei kochköstlichen Veganern dieses Thema kein Tabu. Und sie bezeichnen sich immer noch als Pioniere, obwohl mehr Menschen diese Ernährungsform schon über einen längeren Zeitraum hinweg betreiben als dies bei der Rohkost der Fall ist. Wir als Rohköstler stehen noch viel mehr am Anfang.

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Von veganen Kochköstlern lernen

Veganern wird durch mehrere in den USA und Deutschland (z.B. Leitzmann) ausgeführten Studien eine sehr gute Gesundheit zugesprochen. Sie sind bei geschickter Nahrungsmittelkombination ausreichend mit allen Nährstoffen versorgt und ziehen überdurchschnittlich gesunde und intelligente Kinder groß. Also lernen wir von ihnen und schauen, wie wir das in unsere Rohkost integrieren können. Informationsquellen dazu findet man unter:


Physicians Committee for Responsible Medicine

Gute Informationen über Vegane Ernährung mit vielen Quellenangaben zu Studien


Vegetarische Ernährung

Zusammenfassung des Buches "Vegetarische Ernährung" von Leitzmann/Hahn

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Zusammenfassung

Immer eine große Auswahl an rohen Nahrungsmitteln verzehren, stellt einen auf die sichere Seite.

Unsere Rohkost wandelt sich ständig, da wir immer neue Erfahrungen machen. Herauskristallisiert haben sich aber einige Punkte.

Das scheint gut

Darmreinigung auf Kräuterbasis: Dieses hat uns einen entscheidenden Sprung nach vorne gebracht. Unsere Verdauung funktioniert seitdem wesentlich besser.

Viel wildes Grün: Wer keine Möglichkeit hat daranzukommen, kann auch Grünzeug aus dem Bioladen nehmen. Aber nicht Eisberg- oder Kopfsalat, dort ist zu wenig drin. Besser ist da z.B. Spinat, Feldsalat, Mangold usw.

Grüne Säfte: so bekommt man leicht alle wichtigen Inhaltsstoffe aus dem Grün ohne stundenlang rumkauen zu müssen. Wir merken, dass sie sehr gut tun. Nur leider haben wir noch keinen Entsafter gefunden, der zu unserer Zufriedenheit arbeitet.

Keimlinge: liefern einem sehr viele Mineralien und Eiweiß. Im Winter grüngekeimt sind sie ein kleiner Ersatz fürs wilde Grün. Sättigen sehr gut, ohne zu belasten.

Öle: Olivenöl für einfach ungesättigte und gesättigte Fettsäuren, Hanf- oder Rapsöl für die mehrfach ungesättigten Fettsäuren

Gemüsefrüchte: leicht verdaulich werten sie unsere Keimlingsalate auf.

Wurzel-Gemüse: meist als Saft. Pur etwas schwerer verdaulich.

Reifes Obst: als kleine Zwischenmahlzeit oder als Obst-Grünzeug-Salat.

Nährhefe: zu den Salaten. Scheint aber nicht jeder zu vertragen (Gasbildung). Enthält alle B-Vitamine.

Meersalz: ab und zu. Je nach Bedarf des Körpers

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Hier wissen wir nicht genau

Getreide: Testen wir nur in gekeimter Form, da sie im ungekeimten Zustand einige Stoffe enthalten können, die Stoffwechselvorgänge im Körper blockieren: Proteaseinhibitoren, die die Eiweißverwertung im Körper verschlechtern und andere Stoffe, die die Aufnahme verschiedener Nährstoffe beeinträchtigen.
Unsere Meinung über Getreide ist geteilt. Einerseits scheinen sie einem viel Energie und noch andere wichtige Stoffe zu liefern, andererseits wirken sie säuernd (Hafer) oder verschleimend (Weizen).

Das scheint nicht so gut

Sehr viel Obst: vor allen Dingen, wenn es nicht richtig reif ist. Greift Zähne an. Säuren müssen im Körper durch Mineralien abgepuffert werden. Enthalten dafür aber nicht so viele Mineralien.

Was wir zu Zeit testen

Blütenpollen: als Mineralienlieferant

Hanfsamen: in seiner gekeimten Form. Verschiedene Zubereitungsarten und Wirkung auf den Körper.

Nahrungsergänzungen wollen wir auch mal testen.

Schlußwort

Wir alle sind Pioniere mit dieser Ernährungsform. Wir sollten nie aufhören zu suchen, da die letztendliche Wahrheit noch niemand gefunden hat. Wir sollten uns gegenseitig respektieren und voneinander lernen. Und vor allem sollten wir uns stark machen für die Erhaltung unserer Natur, der Unterstützung von biologisch gezogenen Nahrungsmitteln und der Akzeptanz für die Natürlichkeit und Spiritualität des Menschen in unserer Gesellschaft.

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1  Aussage u.A von Dr. Fred Bisci (Ernährungswissenschaftler)

2  Erkenntnis gewonnen aus zweimaligen Eigenversuchen: Verzehr von konventionellen Paprika (heftige Reaktionen des Körpers) und gekochten Bio-Kartoffeln (keine Reaktionen bemerkbar)

3  K. Jungermann, H.Möhler, Biochemie ISBN 3-540-09302-8; Der Brockhaus in Text und Bild Edition 2002

4  Der Brockhaus in Text und Bild Edition 2002; www.markuskappeler.ch/tex/texs/blattschneiderameisen.html; www.uni-bielefeld.de/biologie/Oekosystembiologie/doc/oeko27.html

5  Der Brockhaus in Text und Bild Edition 2002; www.tierenzyklopaedie.de; www.tiere-afrikas.de/lady.htm; www.gorillafund.org/005_gorilla_frmset.html

6  http://www.acibas.net/omega3/page7.shtml

7  Roth, Daunderer, Kormann; Giftpflanzen Pflanzengifte

8  http://www.acibas.net/omega3/page5.shtml

9  http://www.acibas.net/omega3/page7.shtml

10  Leitzmann/Hahn, Vegetarische Ernährung

11  K. Jungermann, H.Möhler, Biochemie ISBN 3-540-09302-8